Abfahrt: Überraschungsmann Nyman feiert Auferstehung

Steven Nyman ist in Gröden kein Unbekannter: Vor sechs Jahren hat der US-Boy hier auf der Saslong die Abfahrt gewonnen, aber seither ist er nur noch ein einziges Mal auf das Podest gefahren. Heute hat Nyman die Gunst der Stunde genützt und hat bei besser werdender Sicht mit der Startnummer 39 sein zweites Weltcuprennen gewonnen. Auch auf Platz zwei ein Überraschungsmann: Rok Perko (SLO). Den dritten Platz sicherte sich Erik Guay (CAN).

Überraschungssieger auf der Saslong sind keine Seltenheit: Wer erinnert sich nicht an die Erfolge des Liechtensteiners Markus Foser (1993) oder des Deutschen Max Rauffer (2004), die mit hohen Startnummern den Favoriten in die Parade gefahren sind. Heute hat Steven Nyman in seinem 99. Weltcuprennen das Rad der Geschichte zurückgedreht (und die besser werdende Sicht ausgenützt) und die Sprintabfahrt in 1:28.82 Minuten gewonnen.
Die 45. Weltcupabfahrt auf der Saslong war eine Sprintabfahrt, weil der starke Schneefall und die schlechte Sicht eine Verschiebung des Rennens auf 14.10 Uhr und die Versetzung des Starts auf 2000 Meter Meereshöhe notwendig machte. Nur ein außergewöhnlicher Kraftakt der Pistenmannschaft, die seit den frühen Morgenstunden die Strecke vom Schnee befreiten, machte einen Start des Rennens überhaupt möglich.
Nachdem die ersten 30 Fahrer im Ziel waren, schaute es nach einem Favoritensieg von Erik Guay (CAN) aus, der zu diesem Zeitpunkt vor den Trainingsschnellsten Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal (beide NOR) führte. Doch dann besserte sich die Sicht und als erster nützte der Slowene Rok Perko die Gunst der Stunde: Er hängte mit der Startnummer 35 den Führenden Guay um 0,05 Sekunden ab und träumte wohl schon vom Coup seines Lebens. Doch dann kam Steven Nyman. Mit der Nummer 39 legte der 30-Jährige noch 0,19 Sekunden zwischen sich und Perko. Damit standen die Läufer auf dem Siegerpodest fest, Jansrud und Svindal mussten sich mit den Plätzen vier und fünf zufrieden geben. Vor allem Svindal wird die Niederlage verkraften können: Bisher war er in allen fünf Speedrennen der Saison entweder Sieger oder Zweiter und gestern hat er hier den Super G gewonnen.
Auch die italienische Mannschaft nützte die hohen Startnummern aus und brachte zwei Fahrer in die Top 10: Nacheinander fuhren Silvano Varettoni und Werner Heel mit den Startnummern 51 und 52 auf die Plätze 6 (Heel) und 9 (Varettoni).
Eine bittere Niederlage setzte es für die Österreicher und die Schweizer: Als bester Österreicher landete Joachim Puchner auf Platz 13, während die Eidgenossen gar erst mit Vitus Lueoend auf Platz 24 in der Ergebnislisten auftauchten. Dafür findet man den Fahrer einer Nation auf Platz acht, die sonst im Skiweltcup kaum mit Spitzenplatzierungen aufwarten kann: der Niederländer Marvin van Heek, der mit der Startnummer 53 noch einmal für Spannung sorgte.