Die Abfahrt

Abfahrt: eine kurze Geschichte

Der Skilauf als Leistungssportart nahm seinen Anfang in Norwegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Bezeichnung slalom (aus dem norwegischen sla = gebogen und lặm= = Spur) ist eines der wenigen Wörter norwegischen Ursprungs, das sich auf internationaler Ebene durchsetzen konnte. Noch heute versteht man darunter in Norwegen sämtliche alpinen Disziplinen.
Die zahlreichen Möglichkeiten des sportlichen Wettbewerbes im alpinen Skirennsports wurden dann insbesonders während des I. Weltkrieges erkannt. Sowohl Langlauf und Sprunglauf waren in den ersten olympischen Winterspiele 1924 in Chamonix vorgesehen. Die alpinen Disziplinen hingegen fanden erstmals Anwendungen bei olympische Winterspielen 1936 in Garmisch Partenkirchen, und zwar in Form einer Kombination. Die ersten alpinen Skiweltmeisterschaften wurden 1931 in Mürren abgehalten, das erste wichtige internationale alpine Skirennen wickelte sich jedoch unter der Bezeichnung "Kandaharrennen" bereits 1929 auf dem Arlberg ab und war vom Engländer Sir Arnold Lunn konzepiert. Es handelte sich dabei um eine "freie" Abfahrt im wahrsten Sinn des Wortes sowie um ein doppeltes Rennen in "zick-zack Kurs zwischen Stöcken".

In den Dolomiten wurde die berühmte "Direttissima der Marmolada" gefahren, und zwar mit einem Höhenunterschied von 1100 m und als freie Abfahrt, also ohne Richtungstore. Die letzte Ausgabe dieser "freien" Abfahrt wurde 1948 gefahren und von Egon Schöpf in der Zeit von 10 Minuten gewonnen. Auch in Gröden wurden Abfahrten mit "Massenstart" bereits in den ersten Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts auf der heutigen "Danterceppies" gefahren.
Nach dem zweiten Weltkrieg ging man in Gröden mit viel Elan ans Werk: 1948 wurden die ersten Italienischen Meisterschaften organisiert, an denen Fahrer wie Zeno Colò, Hermann Nogler und Celina Seghi teilnahmen. In den Fünfziger Jahren begann man mit der Abhaltung der "Internationalen Skirennen um den Pokal der drei ladinischen Gemeinden Grödens" (Alpine Kombination), die auf der heutigen "Dreier" des Ciampinoi gefahren wurden. Ab 1959 findet diese Veranstaltung ihren fixen Platz als FIS-B Rennen und 1959 wird in Gröden die erste "FIS-A" Veranstaltung durchgeführt und zwar mit einer Abfahrt auf der "Dreier" des Ciampinoi und einem dem Ronce-Hang in St.Ulrich. Die letzte dieser Serie wurde fünf Jahre später durchgeführt (mit 1966 begann der von Serge Lang entwickelte "Weltcup"), für Gröden ein wichtiges Rennen, da damit zum ersten Mal in Italien ein alpines Skirennen von Fernsehen aufgezeichnet und direkt in Eurovision ausgestrahlt wird.

1969 findet die erste Weltcupveranstaltung auf der Saslong statt. Und rasch kommt es zu einer ersten Polemik um die neue Herren- Abfahrtsstrecke. Weniger um die Strecke selbst als um die neue von der FIS gewollten Abfahrts-Philosophie. Karl Schranz verweigert den Start, da er die Strecke als zu leicht empfindet. Vor dieser neuen Strecke bestanden die Abfahrten mehr aus einer Mut- und Risiko-Bereitschaftsprobe - es gab nur wenige Richtungstore, dafür jedoch jede Menge Buckel und Löcher. Es gewann jeweils derjenige Läufer, der am meistern riskierte und die direkteste Linie fand. Die Saslong hingegen wurde nach einem anderen Konzept realisiert: keine Horror-Abfahrt mehr, in der die Fahrer über Löcher und Buckel fliegen, an Felsen und Steinen vorbei und in unüber- sichtliche Mauern springen mussten (worin Schranz ein Meister war). Die FIS wünschte sichere Strecken, in denen vor allem die Technik zählte und nicht das extreme Risiko.