Gröden blickt auf eine außergewöhnliche Rennwoche zurück
Im Rahmen der 58. Ausgabe der Saslong Classic wurde das Grödnertal einmal mehr Schauplatz eines hochklassigen Weltcup-Spektakels. Mit einer Sprint-Abfahrt, einem Super-G sowie einer klassischen Abfahrt stand am Fuße des Langkofels ein Rennen mehr als gewohnt auf dem Programm – eine Herausforderung, die von den Veranstaltern souverän gemeistert wurde.
Obwohl die Voraussetzungen mit zu warmen Temperaturen nicht ganz einfach waren, leistete das Organisationskomitee um Präsident Rainer Senoner einmal mehr Großartiges und stellte für die Rennwoche eine perfekt präparierte Piste zur Verfügung. Auch außerhalb der Strecke wurde nichts dem Zufall überlassen, sodass Athleten, Teams und Zuschauer vor Ort bestens organisierte Ski-Tage erlebten. Auch die Fans vor den Bildschirmen kamen voll auf ihre Kosten und sahen wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele eine echte Standortbestimmung auf einer der traditionsreichsten Strecken des Alpinen Ski-Weltcups.
Odermatt dominiert das Abfahrtstraining
Der sportliche Startschuss zur Rennwoche fiel am Dienstag mit dem ersten Abfahrtstraining. Dabei untermauerte Ausnahmekönner Marco Odermatt gleich seine Favoritenrolle und stellte vor dem Österreicher Daniel Hemetsberger sowie Lokalmatador Dominik Paris überlegen Bestzeit auf.
Das Training am Dienstag sollte der einzige Testlauf für die beiden Abfahrten bleiben: Da in der Nacht auf Mittwoch Schnee- und Regenschauer einsetzten, musste das für Mittwoch angesetzte zweite Abfahrtstraining ersatzlos gestrichen werden. Mit der Absage wollte das Organisationskomitee die Piste im Hinblick auf das anstehende Mammutprogramm schonen – wie sich im Nachhinein herausstellte, trafen die Veranstalter damit die einzig richtige Entscheidung.
Jubiläumssieg für Odermatt in der Sprint-Abfahrt
Im ersten der drei Rennen wurde Odermatt seiner Favoritenrolle gerecht und führte vor seinem Teamkollegen Franjo von Allmen einen Schweizer Doppelsieg an. Der Gesamtweltcup-Führende behielt bei der verkürzten Abfahrt, die wegen Nebels mehrmals verschoben und unterbrochen werden musste, den Durchblick und holte seinen 50. Sieg im Weltcup. Als Dritter komplettierte Dominik Paris das „Stockerl“. Für den Ultner war es der insgesamt vierte Podestplatz bei seinem Heimrennen.
Vor heimischem Publikum wusste aber nicht nur Paris, sondern das gesamte italienische Speed-Team zu überzeugen. Mit dem Kastelruther Florian Schieder (6.), Mattia Casse (7.), Giovanni Franzoni (8.), dem Gaiser Christof Innerhofer (11. – einen Tag nach seinem 41. Geburtstag) und Benjamin Jacques Alliod (14.) klassierten sich fünf weitere „Azzurri“ in den Top-15.
Sensationsmann Zabystran düpiert im Super-G die Konkurrenz
Auf den Favoritensieg in der Sprint-Abfahrt folgte im Super-G am Freitag eine faustdicke Überraschung: Der Tscheche Jan Zabystran nutzte mit Startnummer 29 die immer besser werdenden Bedingungen auf der Saslong optimal aus und fuhr sensationell zu seinem ersten Weltcup-Sieg. Mit dem ersten Platz schrieb der 27-Jährige gleichzeitig auch tschechische Sportgeschichte: Seit Einführung des Alpinen Ski-Weltcups im Jahr 1967 war nämlich noch keinem Athleten aus Tschechien ein Weltcup-Sieg gelungen.
Den zweiten Platz belegte Sprint-Abfahrtssieger Marco Odermatt, der eine mögliche Bestzeit mit einem entscheidenden Fehler im Schlussabschnitt vergab. Neben Sensationssieger Zabystran sorgte mit dem Italiener Giovanni Franzoni ein weiterer Überraschungsmann für Schlagzeilen. Der junge „Azzurro“ fuhr als Dritter erstmals in seiner Karriere auf ein Weltcup-Podest. Auch der Südtiroler Routinier Christof Innerhofer wusste zu überzeugen und belegte 24 Stunden nach Rang elf in der Sprint-Abfahrt den starken sechsten Platz.
Schweizer Doppelsieg in der klassischen Abfahrt
Im Abfahrts-Klassiker am Samstag gab es 48 Stunden nach der Sprint-Abfahrt erneut einen Schweizer Doppelsieg – diesmal allerdings mit Franjo von Allmen als Gewinner. Der Abfahrtsweltmeister blieb bei seiner Fahrt zur Bestzeit zwar nicht fehlerfrei, kompensierte seine Fehler jedoch mit durchgehend hohem Tempo vom Start bis ins Ziel und hielt damit die Konkurrenz auf Distanz. Teamkollege Odermatt landete an zweiter Stelle und stieg damit im dritten Gröden-Rennen 2024 zum dritten Mal auf das Podest.
Neben den beiden Schweizer Überfliegern hatte mit Florian Schieder auch ein Südtiroler Athlet allen Grund zur Freude. Der Kastelruther erzielte die drittschnellste Zeit und machte damit seine erste Top-Drei-Platzierung vor heimischem Publikum perfekt. Ebenso wie in der Sprint-Abfahrt wusste die italienische Speed-Mannschaft auch in der klassischen Abfahrt mit einer starken Teamleistung zu überzeugen. Routinier Dominik Paris aus Ulten landete trotz einiger Patzer an sechster Stelle, Mattia Casse wurde Achter und Giovanni Franzoni schwang im Ziel als Zwölfter ab.
Odermatt gewinnt die Val Gardena Südtirol Ski Trophy
Mit Platz eins in der Sprint-Abfahrt, Platz zwei im Super-G sowie Platz zwei im Abfahrts-Klassiker avancierte Odermatt zum erfolgreichsten Athleten der 58. Saslong Classic. Damit sicherte sich der Eidgenosse zum zweiten Mal nach 2024 die Val Gardena Südtirol Ski Trophy. Als Sieger dieser Sondertrophäe darf sich Odermatt über eine originalgetreue 3D-Holzbüste, ein Extra-Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro, einen Kurzurlaub in Gröden sowie die Besteigung des Langkofels in Begleitung eines einheimischen Bergführers freuen.