Vom Rennanzug ins Weltcup-Büro: Arianna Putzer entdeckt eine neue Seite des Skisports
Normalerweise verbringt Arianna Putzer ihre Tage zwischen Kraftkammer, Schneetraining und Torstangen. Zwei Wochen lang tauschte die Grödner Europacup-Läuferin den Rennanzug jedoch gegen den Büroalltag beim Saslong Classic Club. Ein Perspektivenwechsel, der ihr eindrucksvoll vor Augen führte, wie viel Arbeit hinter einem Weltcuprennen steckt – und der ihren Blick auf den Skisport nachhaltig verändert hat.
Wenn im Dezember die weltbesten Abfahrer über die Saslong rasen, sehen die Zuschauer spektakuläre Bilder, packende Duelle und tausende Fans entlang der Strecke. Was die wenigsten mitbekommen: Die eigentliche Arbeit beginnt viele Monate früher.
Genau diese Seite lernte Arianna Putzer in den vergangenen Wochen kennen. Die 17-Jährige aus Wolkenstein absolvierte im Rahmen eines Schulpraktikums zwei Wochen beim Saslong Classic Club und erhielt dabei Einblicke in die Organisation eines der traditionsreichsten Weltcupveranstalter des alpinen Skisports.
Für Putzer, die seit diesem Sommer dem Europacup-Kader der italienischen Nationalmannschaft angehört und als eines der größten Südtiroler Nachwuchstalente gilt, war es eine völlig neue Erfahrung.
„Ich hätte nie gedacht, wie viel Arbeit hinter einer Weltcupveranstaltung steckt. Erst jetzt habe ich gesehen, wie viele Menschen im Hintergrund mitarbeiten und wie viele Abläufe perfekt ineinandergreifen müssen. Das hat mich wirklich beeindruckt.“
Eine Welt, die Athletinnen normalerweise verborgen bleibt
Telefonate, Sitzungen, Terminplanung, Sponsorenkontakte, Akkreditierungen oder organisatorische Vorbereitungen – Aufgaben, mit denen Rennläuferinnen während ihrer Karriere kaum Berührungspunkte haben, bestimmten plötzlich Putzers Alltag.
„Ich war vorher noch nie in einem Büro tätig. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und gesehen, wie unterschiedlich die Aufgaben sind. Es war spannend zu erleben, wie alles organisiert wird.“
Gerade dieser Perspektivenwechsel machte das Praktikum für die junge Grödnerin besonders wertvoll. Während sie normalerweise ausschließlich auf ihre sportliche Leistung fokussiert ist, lernte sie nun jene Menschen kennen, die den Weltcup überhaupt erst möglich machen.
Begegnung mit dem Besten der Welt
Zu den Höhepunkten ihres Praktikums gehörte auch die Ehrung von Marco Odermatt als Sieger der Val Gardena Südtirol Ski Trophy. Den Schweizer Ausnahmeathleten aus nächster Nähe zu erleben, war für Putzer ein besonderer Moment.
„Er ist derzeit der beste Skifahrer der Welt. Ihn persönlich begrüßen zu dürfen, war etwas ganz Besonderes. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut.“
Erst selbst Weltcup fahren – danach vielleicht mitorganisieren
An ihre Zukunft denkt Putzer in erster Linie als Athletin. Nach Athletiklehrgängen, Schneetrainings und den Vorbereitungen in Ushuaia richtet sich der Fokus ganz auf ihre erste komplette Europacup-Saison.
Der Traum vom Weltcup lebt.
„Ich möchte mich Schritt für Schritt weiterentwickeln, technisch besser werden und gut vorbereitet in die Saison starten. Alles Weitere wird sich ergeben.“
Gleichzeitig hat das Praktikum Spuren hinterlassen. Die Vorstellung, eines Tages selbst im Organisationskomitee der Heimrennen mitzuarbeiten, kann sie sich inzwischen gut vorstellen.
„Zuerst möchte ich natürlich selbst den Sprung in den Weltcup schaffen. Aber später könnte ich mir gut vorstellen, hier mitzuarbeiten und gemeinsam solche Rennen zu organisieren.“
Heim-WM 2031 fest im Blick
Ein Ziel begleitet die junge Grödnerin dabei ganz besonders: die Alpine Ski-Weltmeisterschaft 2031 in Gröden.
„Es wäre eine riesige Ehre, bei einer Heim-WM starten zu dürfen. Dafür werde ich alles geben.“
Bis dahin wird Arianna Putzer hoffentlich noch oft mit einer Startnummer auf den spektakulärsten Pisten des Skizirkus’ unterwegs sein. Nach zwei Wochen hinter den Kulissen weiß sie allerdings schon heute, dass ein Weltcuprennen weit mehr ist als das, was am Renntag zwischen Start und Ziel passiert.


